
Der digitale Adventskalender des Forschungszentrums Matheon in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk ist mittlerweile Tradition und Kult. 24 Türchen für 24 mathematische Rätsel in der Vorweihnachtszeit. Hinter jedem Türchen eine garantiert kalorienfreie Überraschung.
Altersarmut kann in Zukunft vielen drohen. Vor allem Frauen aber beziehen schon heute weniger Rente als Männer. Besonders hart trifft es alleinerziehende Mütter. Aber auch verheiratete Frauen gehen oft fahrlässig mit ihrer Altersicherung um. Nur zu gern überlassen sie die Regelung ihren Männern und sorgen nicht vor für den Fall einer Scheidung.
Vor hundert Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass unter demselben Dach eine WG, ein Doppelverdienerpaar ohne Kinder, eine Patchwork-Familie und ein homosexuelles Paar zusammenleben würden. Irgendetwas muss also passiert sein, damit solches heute als bundesdeutsche Normalität weitgehend akzeptiert wird - ein Wandel der Werte und des Begriffes "Familie".
Studiozeit • Aus Kultur- und Sozialwissenschaften · 04.12.2008 · 20:10
Zwei junge Leute Mitte der 50er Jahre: Natascha trampt als 17-Jährige allein durch Europa, Gedichte von Else Lasker-Schüler im Gepäck. Zur gleichen Zeit heuert der 14-jährige Johannes auf einem Schiff an und wird erst sieben Jahre später wieder dauerhaft an Land gehen. Ihre Unabhängigkeit wollen die Malerin Natascha Ungeheuer und der Dichter Johannes Schenk auch später unbedingt wahren.
Das Feature · 05.12.2008 · 20:10
Die Gefängnisse platzen aus allen Nähten, die Gerichte brauchen selbst für Bagatellprozesse Jahre. Italiens Justizapparat ist völlig überlastet und im europäischen Vergleich ausgesprochen langsam. Es besteht Reformbedarf, doch was Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi unter "Justizreform" versteht, geißeln viele als Eingriff in die Unabhängigkeit der Dritten Gewalt im Staat.
Gesichter Europas · 06.12.2008 · 11:05
Elliott Carter ist der bedeutendste lebende Komponist der USA. Geboren am 11. Dezember 1908 in New York, hat sich Carter in seinem langen Leben eine Liste an Förderern geschaffen, die sich wie das Who is who der zeitgenössischen Musikgeschichte liest: Charles Ives, Igor Stravinsky, Pierre Boulez, Daniel Barenboim.
Atelier neuer Musik · 06.12.2008 · 22:05
Mit "Alexanders Rag Time Band" gelang ihm der Durchbruch, mit "White Christmas" ein Welterfolg: Irving Berlin, einer der berühmtesten Songschreiber der amerikanischen Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche seiner Stücke waren und sind bis heute untrennbar mit der amerikanischen Geschichte verbunden.
Wie fühlt sich der Entwurf des eigenen Todes ohne Selbstmordabsicht an? Wie endgültig kann man Wünsche formulieren, die über das Leben hinausgehen? Wie ohnmächtig ist man im erhabensten Augenblick der eigenen Existenz? Der Autor entwirft Patientenverfügungen, montiert Diskursbeiträge zum Thema Sterbehilfe, versucht das Nicht-Nennbare zu umschreiben.
Eine Kleinstadt irgendwo in Amerika im Jahr 1957. Die Alten genießen den Frieden nach dem Zweiten Weltkrieg, auf den Plattentellern der Jungen rotieren die Scheiben von Elvis. Und der lokale Held ist Ragle Gumm, der im wöchentlichen Fernsehquiz schon seit Jahren ununterbrochen die richtigen Lösungen liefert.
Menschen sehnen sich danach berührt zu werden, sei es durch Körperkontakt oder durch eine innere emotionale Berührung. Babys, die nicht liebevoll gestreichelt oder gehalten werden, verkümmern. Erwachsene sind auf liebevolle körperlich-seelische Berührungen angewiesen: die tröstende Umarmung einer Freundin, der verlässliche Handschlag eines Kollegen und ganz besonders die zärtliche Berührung im innigen Kontakt mit dem Liebespartner.
Sein leben lang war Zille - mit Zetteln und Stiften bewaffnet - dem "Milljöh" auf der Spur, als der immer wache Chronist mit dem großen Herzen. Dass er als solcher mitunter tief hinabstieg, versteht sich von selbst. So manche Nische, so manche Straßenecke entlarvte er als veritablen Sündenpfuhl, so etwa 1913, als er unter dem Pseudonym W. Pfeiffer das schmale Bändchen "Hurengespräche" veröffentlichte.
Seit einigen Jahren können wir in unser Gehirn blicken. Die Bilder, die Erkenntnisse und die Metaphern der Gehirnforschung schleichen sich in unser Menschenbild. Neurowissenschaftler versprechen die bevorstehende Heilung von Alzheimer, Parkinson, Psychosen oder die Steigerung unserer intellektuellen Fähigkeiten, Experten für "Neuro-Marketing" unterrichten Manager über noch effektivere Methoden, die Kaufwünsche ihrer Kunden zu manipulieren.
Nexus-5, die neuesten Androïden der Firma Rosen, sind hochintelligent, extrem flexibel und den Menschen verblüffend ähnlich. Immer mehr von ihnen brechen aus ihrer Rolle als Haus- und Industriesklaven der Mars-Kolonisten aus und streben auf der Erde bürgerliche Existenzen an. Dabei schießen sie jeden nieder, der sich ihnen in den Weg stellt.
Rudolf bereitet sich seit einem Jahrzehnt auf eine große Arbeit über seinen Lieblingskomponisten Felix Mendelssohn Bartholdy vor. Widrige Umstände - der Besuch seiner Schwester, nach ihrem Weggang die Furcht, sie könne wiederkommen, Krankheit, das schlechte Wetter - hindern ihn am Schreiben des ersten Satzes.
Schon in der legendären Formation "Weather Report" hatte er für expressionistische, konventionsferne Tongebungen gesorgt: Wayne Shorter. Auch das Quartett des Saxophonisten, der im letzten August seinen 75. Geburtstag feiern konnte, bewegt sich mit seinen langen, durch vielgestaltige Klanglandschaften mäandernden Stücken abseits gängiger Jazzformate.
Konzertdokument der Woche · 21.12.2008 · 21:05
"La Tour Lambert" in der Auvergne. Unser Koch präsentiert ein traditionelles Rezept: Ein gefüllter Lammschulterrollbraten ohne Knochen mit einer Farce double, einer doppelten Füllung. Mit größter Akribie beschreibt er detailgenau, wie das Rezept umzusetzen ist. Ohne Rücksicht auf Dauer.
Ernst Nolde war der erste aus dem Malerkreis Die Brücke, der zur großen Reise in die Südsee aufbrach, der zweite (und letzte) Max Pechstein. Die erotischen Schnitzereien auf den Palauer Dach- und Querbalken, ausgestellt im Dresdner Völkerkundemuseum, hatten seine Malerseele aufgewühlt. Im Mai 1914 schiffte er sich in Genua ein, sechs Wochen später erreichte er die Karolinen, eine deutsche Kolonie.
Das Feature · 25.12.2008 · 19:15
Sie erledigt seine Post, verschlingt seine Bücher über Korallen und Haie und träumt von einem Leben nach seinem Vorbild. Und dann nimmt der Meeresforscher Hans Hass seine Sekretärin mit an Bord. Unter einer Bedingung: "Ab heute sind Sie ein Mann!"
Das Feature · 26.12.2008 · 00:00
"Ich bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze." Doch bis es so weit ist, muss Privatdetektiv Phil Marlin in der "sauberen, kleinen Stadt" einiges einstecken.
Was bleibt und was verschwindet? Was überdauert unsere Gegenwart? Welche Schlüsse ziehen kommende Generationen aus den Ruinen unserer Zivilisation? Denn wir hinterlassen eine ganze Menge: Asphalt, Beton und Marmor, Brücken und Schlösser, Autobahnen und Atomkraftwerke. Das Feature spekuliert über Haltbarkeit und Halbwertzeit der Monumente der Zivilisation.
Am 15. Juni 1938 - gezeichnet und geschwächt von psychischen Defekten, Medikamentensucht und körperlichen Qualen - erschoss sich Ernst-Ludwig Kirchner im schweizerischen Davos, seinem Asyl ab 1918. "Seit Monaten spielte sich hier auf dem Wildboden in aller Stille eine Tragödie ab. K. litt seelisch unsagbar unter der Diffamierung in Deutschland", schrieb Kirchners Lebensgefährtin Erna Schilling.
Das Feature · 31.12.2008 · 19:15
Mit 18 Jahren entwickelt er ein Lautsprecher-Patent und gewinnt bei "Jugend forscht". Mit 28 ist er Millionär. Er leitet zahlreiche Firmen in Deutschland, Hongkong, Amerika, in der Schweiz. Am 13. September 2007 erwischt ihn die Polizei auf der Autobahn mit dem Handy am Ohr. Mit 40 Euro Bußgeld ist es nicht getan. Die Beamten entdecken bei der Routineüberprüfung im Computer einen Haftbefehl wegen Verdachts aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität und müssen ihn mitnehmen.
Der Geist des Bösen ist ein Hauptthema der Werke Edgar Allan Poes. Ist das Böse ein Grundprinzip menschlicher Existenz, dem niemand ausweichen kann? Der Erzähler verfolgt einen geheimnisvollen Fremden durch das Dickicht der Großstadt London Mitte des 19. Jahrhunderts, bevor er ein erschreckendes Geständnis ablegt.
Das Junkfood stapelt sich auf ihren Schreibtischen, denn sie kommen nicht weg: So sehr sind sie mit ihren PCs verwachsen. Computerfreaks nennt man sie hierzulande, doch der amerikanische Begriff des "Nerd" setzt sich auch bei uns mehr und mehr durch. Kulturanthropologen widmen den Nerds Forschungsarbeiten, Fernsehsender produzieren ganze Serien und eine eigene Musikrichtung gibt es auch schon.
Der Text, geschrieben als mehrseitiges Gedicht, ist die sehr persönliche Auseinandersetzung Heiner Müllers mit deutscher Geschichte. Gleichzeitig schildert er die Schwierigkeiten beim Schreiben seines letzten Dramas "Germania 3".
Drei Wochen lang stand der Schädel des Dichters E.T.A. Hoffmann auf dem Flügel des Komponisten Ezard Scheffel, dessen Kreativität dadurch beneidenswert beflügelt wurde. Eine Ballett-Oper nach Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann" war gerade im Entstehen.
1972 sollte in Island nachgeholt werden, worum sich Amerikaner und Sowjets im Kalten Krieg gedrückt hatten: eine Auseinandersetzung Mann gegen Mann. Schwarz gegen Weiß. Auf der einen Seite Boris Spasski, siebter sowjetischer Schachweltmeister in Folge, auf der anderen Bobby Fischer, der Herausforderer im grellen Anzug.
Kaum ein Autor der Moderne spielte so souverän und elegant mit den Mitteln romantischer Ironie wie Peter Hacks in seinen Märchen. In einem schönen Garten liebte der Jüngling Leberecht sein Liebkind im Vogelnest. Doch Leberecht hat Liebkind weggeschickt. Er muss den schönen Garten gegen die böse Fee Grilla, Herrscherin des verwahrlosten Nachbarreichs Sudelgard, verteidigen, und wenn Mann in den Kampf zieht, muss er sich vom Weibe trennen.
Managerschelte ist eine beliebte Gepflogenheit in Deutschland. Aber unter den Effizienzrezepten, die Wirtschaftstheoretiker und -journalisten in rauen Mengen darbieten, verschwindet ein Vorschlag, wenn er denn auftaucht, umgehend: Die Spitzenbesetzung der Unternehmen zu quotieren - oder eben freiwillig mit mehr Frauen zu bestücken.
"Nachtstücke./ Herausgegeben / vom Verfasser der Fantasiestücke in / Callots Manir/ Der Sandmann / d. 16. Novbr. 1815 Nachts 1 Uhr" Mit diesem Vermerk versah E.T.A. Hoffmann die erste Niederschrift seiner Erzählung, die in der Tradition des Kunstmärchens der Schwarzen Romantik steht: Der Student Nathanael schildert in einem Brief an seinen Freund Lothar die Begegnung mit dem Wetterglashändlers Coppola, in dem er eine Schreckensgestalt seiner Kindheit wiederzuerkennen glaubt, den Advokaten Coppelius.
Für die Fans von Schalke 04 ist der Energiekonzern aus dem Osten ein Hoffnungsträger, für Fachleute ein mafiöses Gebilde. Ohne dessen Einnahmen würde der russische Staatshaushalt zusammenbrechen. Gazprom kontrolliert zudem die wichtigsten Medien des Landes und agiert als Großbank.
Das Feature · 20.01.2009 · 19:15
Sie trafen sich viele Jahre lang jeden Sommer, um zu wandern. Es war, als ob sie eine unbefriedigende Gegenwart verließen und so weit in die Landschaften hinein- und in die Geschichte zurückgingen wie es die damaligen Grenzen zuließen, wobei ihr Romantisieren ständig mit der Realität zusammenstieß.
Das Feature · 23.01.2009 · 20:10
Eichendorff spielt mit dem romantischen Grundthema vom verlorenen und wiederzufindenden Paradies. Florio, ein junger Dichter, begegnet auf der Reise nach Lucca dem Sänger Fortunato, dem auf einem Fest der mephistophelische Ritter Donati gegenübertritt. Schwankend zwischen den beiden Freunden, welche die erlösende und die dämonische Kraft der Poesie symbolisieren, verlässt Florio nachts die Herberge und verfällt dem Zauber des marmornen Venusbildes, dessen Anblick im nächtlichen Garten eine unbestimmte Sehnsucht in ihm zurücklässt ...
Mit seinen riesigen Ölvorkommen nimmt der Irak weltweit einen Spitzenplatz ein. Angeblich haben die Amerikaner nur deshalb den Krieg geführt. Knapp sechs Jahre nach dem Einmarsch liegt die irakische Ölindustrie immer noch am Boden.
Das Feature · 27.01.2009 · 19:15
Wie eine Zwiebel besteht das traditionelle bosnische Haus aus einer Reihe von Schichten, die in sein "innerstes Innere" führen, das sie zugleich abschotten und beschützen: Dies tiefste Innere, so der bosnische Autor Dzevad Karahasan, sei die "Seele" des Hauses; es gibt über den Zustand seiner Bewohner, ihr Gefühlsleben, ihr Glück oder Unglück Auskunft.
Das Feature · 30.01.2009 · 20:10
Meine Mutter ist Russin. Mein Vater ist Jude. Das sei für ihn aber ohne Bedeutung, hieß es immer. Warum durfte ich dann aber nichts von der Existenz meiner Großmutter wissen? Gab es dafür ausschließlich private, familiäre Gründe oder ist da vielleicht auch verborgener Antisemitismus im Spiel?
Das Feature · 03.02.2009 · 19:15
Ein Team von Wissenschaftlern und Militärs untersucht einen neu entdeckten Planeten, der als Paradies erscheint und sich für die Kolonisation offenbar hervorragend eignet. Die Vegetation ist üppig, und es gibt keinerlei feindliche, ja überhaupt keine tierischen Lebensformen. Dann jedoch ereignen sich einige merkwürdige Vorfälle, die zunächst nicht ernstgenommen werden, bis es den ersten Todesfall gibt.
Man sollte sparsam sein mit großen Worten wie 'Ereignis'. Diese 'Ilias' aber ist ein Ereignis. In jeder Hinsicht: als sprachlich kühnes Kunstwerk, als kulturelle Leistung, als radiophones Glanzstück und, nicht zuletzt, als Herausforderung der formatierten Programmstruktur, in der diese 24 Gesänge gesendet werden, obwohl jeder der Gesänge seiner eigenen Dynamik folgt und damit auch jeweils unterschiedliche Sendelängen beansprucht.
Früher waren es Nischenprodukte. Doch mittlerweile haben naturwissenschaftliche Fach- und Sachbücher nicht selten das Zeug zum Bestseller. Kein Wunder: In einer von Forschung und Technik geprägten Welt, wächst der Bedarf an Hintergrundwissen. Wird es unterhaltsam vermittelt, ist der Verkaufserfolg so gut wie sicher.
Wissenschaft im Brennpunkt · 07.12.2008 · 16:30
International zählt Christian Boltanski zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlern. Seine Werke stehen in den bedeutenden Sammlungen der Welt. 1944 in Paris als Sohn eines jüdischen Arztes und einer katholischen Mutter geboren, arbeitet Christian Boltanski mit Gedächtnisspuren. Er benutzt alltägliche, fast unscheinbare Fundstücke, Überbleibsel menschlicher Existenz, die er zu Archiven der Erinnerung anhäuft.
Das Feature · 09.12.2008 · 19:15
Am ersten Tag hockt der inhaftierte Mensch gelähmt im Bauch des mächtigen Feindes JVA. Am 50. Tag haut er gegen die Wand, nach dem 500. Tag hat er sich irgendwie eingerichtet in der eisernen Sorglosigkeit. An der Wand die Karikatur: "Papa will lieber rein, aber Mama bräuchte ihn eigentlich draußen."
Das Feature · 12.12.2008 · 20:10
Der Erzähler: ein alter Mann, ans Krankenlager gefesselt. Neben ihm stapelt sich die Vorarbeit zu seinem Werk über "die Rolle der Kunst und ihr Scheitern im Zeitalter kommerzieller Reproduzierbarkeit und Verwertung". Immer wieder greift er in sein aufgestapeltes Archiv, immer öfter greift er daneben, die herbeizitierten Autoren machen sich selbstständig und fallen sich gegenseitig ins Wort.
Polens Wirtschaft boomt, wird behauptet. "Das Land marschiert weiter Richtung westeuropäisches Wohlstandsniveau", bilanziert zum Beispiel das Institut der deutschen Wirtschaft. Polen gilt als Musterschüler unter den Staaten, die vor 2004 in die Europäische Union aufgenommen wurden. Doch die meisten Bürger haben keinen Grund zum Feiern.
Das Feature · 16.12.2008 · 19:15
Verliebt, verlobt, verheiratet - das ist nicht mehr die Regel. Mittlerweile haben sich über zwei Millionen Paare für ein gemeinsames Leben ohne Trauschein entschieden, und sie zahlen zuweilen einen hohen Preis dafür, nicht nur beim Finanzamt, sondern vor dem Gesetz. In einem Grundsatzurteil vom 15. August 2008 hat der Bundesgerichtshof die Rechte von Unverheirateten in eheähnlichen Gemeinschaften zwar gestärkt, aber einen vollständigen Gesetzesrahmen gibt es bis heute nicht.
Marktplatz · 18.12.2008 · 10:10
"Am Gitter der großen Hacienda, die Abacay umgibt und die Stadt erwürgt, hörte ich manchmal einen unbekannten Walzer. Welche Kluft war zwischen ihrer und meiner Welt?", fragt sich der Schriftsteller José Maria Arguedas. In seinem Meisterwerk "Die tiefen Flüsse" trennt eine tiefe Kluft die indianische und die weiße Welt. Eine Kluft, die manchem Peruaner als Grenze zwischen Barbarei und Zivilisation erscheint.
Das Feature · 19.12.2008 · 20:10
Sie lassen ihre Kinder nicht impfen und brauchen sich auch nicht versichern zu lassen. Krankheiten, Unfälle und Naturkatastrophen sind eine Strafe Gottes, der dafür schon seinen guten Grund haben wird. Die Rede ist von den rund 400.000 orthodoxen Calvinisten der Niederlande.
Gesichter Europas · 20.12.2008 · 11:05
Amarillo Slims Lebensmotto ist einfach: "Wenn ein Mann arbeitet, dann schwitzt er, wer schwitzt, stinkt, und meine Frau mag keine stinkenden Männer." Deshalb versucht er ohne Arbeit auszukommen: Als professioneller Pokerer. Seine Welt sind die Casinos von Las Vegas.
Die Dresdner Künstlergemeinschaft BRÜCKE wurde am 7. Juni 1905 von Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst-Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff gegründet. Alle vier waren Architektur-Studenten an der Technischen Hochschule. Was sie zeichneten, malten, in Holz oder Stein schnitten, in Metall ätzten oder aus Holz meißelten, begründete den deutschen Expressionismus.
Das Feature · 23.12.2008 · 19:15
"Diese Ilias ist ein Ereignis, als sprachlich kühnes Kunstwerk, als kulturelle Leistung, als radiophones Glanzstück und, nicht zuletzt, als Herausforderung der formatierten Programmstruktur. Raoul Schrotts provokant-brillante Neufassung von Homers Epos über den Trojanischen Krieg entreißt das Meisterwerk abendländischer Kultur den staubigen Gelehrtenstuben.
Der junge Bauer hatte zu seiner Hochzeit im Herbst 1939 drei Tage Urlaub von der Westfront bekommen. Er stand damals schon als Unteroffizier gegen Versailles. Er brannte darauf, den Tod seines Vaters zu rächen, der in einem Schützengraben vor Spa an Wundfieber verreckt war.
Das Feature · 26.12.2008 · 00:00
Wie kein anderer schlägt Immanuel Kant Brücken zwischen dem preußischen Königsberg und dem russischen Kaliningrad. Der deutsche Philosoph genießt heute am Pregel so etwas wie den Status eines "Ehren-Russen".
Das Feature · 26.12.2008 · 00:00
Warum heiraten Sie einen Ausländer? Muss man verliebt sein, um zu heiraten? Wie kann man feststellen, ob sich Paare wirklich lieben? - In Dänemark, und nicht nur dort, müssen binationale Ehepaare beweisen, dass ihre Verbindung "echt" ist und keine Scheinheirat.
Das Feature · 28.12.2008 · 13:30
"Der Wundertäter war von hohem Wuchs" - dies könnte der erste Satz einer genialen Erzählung sein, wie der Schreiber in großer Aufregung konstatiert. Da klopft es an der Tür und eine hässliche Alte tritt herein. Wenig später sitzt sie in seinem Lieblingssessel und stirbt. Ihn ekelt, aber dann schläft er ein.
Auf einem Berliner Flohmarkt erwarb der Autor für 2 Euro einen alten Aktenordner. Darin hatte eine ihm unbekannte Person Programmhefte und Eintrittskarten von Theatervorstellungen und Konzerten aus den Jahren 1956 - 65 gesammelt.
Das Feature · 01.01.2009 · 11:05
Satan, Teufel, Luzifer stolzieren bös über die Bühne. Einst schändeten ihre Jünger Friedhöfe und Kirchen, vergewaltigten und töteten - und sie rappen und rocken in Teufels Namen. Zum guten Ton gehören Satansspiele, Schwarze Messen, dumpfe Helden- und Opferrituale. NS-Blackmetal-Music röhrt und feuert, dass den Teufel höchstselbst der Schwindel befällt.
Das Feature · 02.01.2009 · 20:10
"Das Hörspiel der erst fünfzehnjährigen Autorin besteht aus lauter sich jagenden kurzen Selbstaussagen. Es besticht durch eine faszinierende sprachliche Produktivkraft. Helene Hegemann erschafft mit erstaunlicher Souveränität die Figur einer weiblichen Großstadtjugendlichen aus deren Sprechen heraus. In einem obsessiven Analysebedürfnis rekonstruiert sie ihre eigenen widersprüchlichen Identitäten aus Erinnerung und Reflexion.
"Man muss auf alles gefasst sein", sagt Thomas Herbst (45), ehemaliger Trainer der türkischen Fußballmannschaft Türkiyemspor aus Berlin-Kreuzberg. Er versteht darunter sowohl die sportlichen Leistungen der Spieler als auch die offenen Anfeindungen von Rassisten auf dem Fußballplatz, vor allem im Osten Deutschlands.
Das Feature · 06.01.2009 · 19:15
Mit dem Start des Gesundheitsfonds ändert sich im System der gesetzlichen Krankenversicherung Grundlegendes. Die Versicherten zahlen bei jeder gesetzlichen Krankenkasse den gleichen Beitragssatz von 15,5 Prozent. Damit wird die Krankenkasse für 90 Prozent der Versicherten teurer als bisher. Kommt eine Kasse mit dem Geld nicht aus, muss sie von ihren Mitgliedern Zusatzbeiträge erheben.
Marktplatz · 08.01.2009 · 10:10
Mit den Augen eines Geistersehers hat Novalis im Herbst des Todesjahres seiner Verlobten Sophie 1797 mit der Niederschrift der Verse seiner "Hymnen an die Nacht" begonnen, deren Prosafassung 1800 in der Literaturzeitschrift "Athenäum" erschienen ist. Mystische Visionen von der Nacht beschwören die Grenze zwischen Leben und Tod jenseits vom Tage, Licht und Bewusstsein. Wie der Tod ist für Novalis die Nacht "das romantisierende Prinzip des Lebens".
Der Autor begibt sich auf eine Reise zu deutschen, US-amerikanischen und niederländischen Militärstandorten, um herauszufinden, wie es um den Kampfgeist der für den Einsatz in Krisen- und Kriegsgebieten vorgesehenen Einheiten steht.
Das Feature · 13.01.2009 · 19:15
Rückenschmerzen sind seit langem Volkskrankheit Nummer Eins. Hauptgründe sind mangelnde Bewegung und Haltungsfehler. Doch wer schafft es schon, regelmäßig Sport zu treiben, wenn er bis abends im Büro ist? Wer viel im Sitzen arbeitet, sollte daher wenigstens einen rückengerechten Stuhl und einen verstellbaren Schreibtisch haben. Doch damit nicht genug: Ein Büro vom PC bis hin zum Stehpult ergonomisch einzurichten, ist eine Wissenschaft für sich.
Marktplatz · 15.01.2009 · 10:10
Rimini-Protokoll ist wahrscheinlich die einzige deutsche Theatermanufaktur, die es schafft, junge und andere des Traditionstheaters müde Leute ins Theater zu bringen. Und sie kommen in Scharen. Fast jede Vorstellung ist ausverkauft.
Das Feature · 16.01.2009 · 20:10
In kaum einem Werk E.T.A. Hoffmanns tritt der Widerspruch zwischen einem sehnsüchtig erstrebten, romantischen Atlantis und der erbarmungslosen Misere der Gegenwart, unter der der Autor Zeit seines Lebens litt, deutlicher zutage als im "Goldenen Topf". Anselmus, der reine Tor und Märchenheld, verstrickt sich in wahnsinniger Liebe zu Serpentina, einer der drei Töchter des Geheimen Archivarius Lindhorst, die alle drei in grünem Gold glänzende Schlänglein sind.
Thematischer und formaler Ausgangspunkt für "Speicher" ist "Varia Vision - Unendliche Fahrt", die 1965 realisierte, heute verschollene intermediale Arbeit von Alexander Kluge, Edgar Reitz und Josef Anton Riedl zum Thema des Reisens. "Varia Vision" versuchte als Rauminstallation durch die gleichzeitige Vorführung und Wiedergabe von Filmen, mehrkanaliger Musik und Sprache eine neue und andere Wahrnehmung von Musik, Film und Text zu verwirklichen.
Kriminalhauptkommissarin Christiane Hoffmann wird gegen ihren Willen von einem Fall im türkischen Drogenmilieu abgezogen. Statt einer Serie von brutalen Morden soll sie nun den Tod einer alten Dame untersuchen, die kurz zuvor in einem Altenpflegeheim gestorben ist - laut Totenschein eines natürlichen Todes.
Schlafen ist eine paradoxe Angelegenheit: die passive Aktivität Schlaf ist ein weitgehend unbewusster Prozess, der sich unserem Willen entzieht. Schlaf können wir nur zulassen. Gefragt ist also entspanntes Loslassen - und schon sinken wir in Morpheus Arme. Gut zu schlafen wirkt sich nicht nur positiv auf unsere Laune, unsere Leistungsfähigkeit und unsere Gesundheit aus.
Im dritten Kapitel seiner Erzählung "Die Wiederholung" lässt Peter Handke seinen Doppelgänger ans Ziel seiner Reise vom Heimatdorf im südlichen Kärnten in die jugoslawische Republik Slowenien anlangen: im Karst, jener Hochfläche über dem Golf von Triest. Eine Landschaft der Freiheit, wo im Wind sich die Grübeleien verflüchtigen. Die Erfüllung einer Sehnsucht: Kindheitslandschaft, "zu Fuß genähert, im Schweiß, zur Musik der Züge an den Felswänden".
Konfrontiert mit der Realität eines unterfinanzierten Pflegeheims und der Erkenntnis, dass es sich bei dem Fall offenbar nur um eine auf dem Rücken des Heims ausgetragene Familienfehde handelt, verliert Kommissarin Hoffmann bald jeden Antrieb. Doch dann stößt sie auf ein viel größeres Geheimnis - eines, das so unvorstellbar scheint, dass weder die Heimleitung des "Cura Vita" noch Kriminaldirektor Geschoneck davon etwas wissen wollen.
Massenentlassungen und Niedriglöhne begleiten in den Industrieländern die Globalisierung. In den Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas sind es Nahrungsmittelkrisen und Vertreibung. Vor allem die ländliche Bevölkerung dort leidet unter der Weltwirtschaftsordnung. 2007 lebten erstmals in der Geschichte mehr Menschen in Städten als auf dem Land.
Dossier
05.12.2008, 19:15
Beiträge zum Nachhören
Radio zum Mitnehmen
Deutschlandfunk
Aktuelle Informationen direkt in Ihr Postfach, dradio.de-Newsletter zu Nachrichten, Presseschau und ausgewählten Programmbeiträgen.